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Oliver Sacks, Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte.
Rowohlt Taschenbuchverlag, Hamburg 1990,
Sachbuch Nr. 18780, ISBN 3 499 18780 9 Dieses Buch ist schon vor mehr als zehn Jahren erschienen, aber erst vor kurzem hat uns ein Freund, Dr. Alexander Brands, damit vertraut gemacht – und das war ein großer Gewinn für uns. Oliver Sacks ist (oder war?) Neuropsychologe am Albert Einstein College of Medicine in New York. In diesem wie in zahlreichen anderen Büchern, die ebenfalls bei rororo erschienen sind, beschreibt er Fälle aus seiner Praxis von Menschen, deren rechte Gehirnhälfte beschädigt oder zerstört ist. Während die linke Gehirnhälfte unter anderem die schematischen Lebensabläufe steuert, „ist die rechte Gehirnhälfte in entscheidendem Maße an der Wahrnehmung der Wirklichkeit beteiligt.“ (S. 19). Während Menschen, deren linke Gehirnhälfte geschädigt ist, sich ihrer Behinderung meist bewusst sind und unter ihr leiden, wissen Menschen mit einer nicht funktionsfähigen rechten Gehirnhälfte meist nichts von ihren Störungen. Sie sind „verrückt“ in dem Sinne, wie sie in den weitverbreiteten Irrenwitzen dargestellt werden. Sacks beschreibt in diesem Buch 24 solcher Fälle aus seiner eigenen Praxis. Sie böten ein unerschöpfliches Reservoir, wenn man neue Irrenwitze erfinden wollte. Aber während diese Witze meist die Verachtung des Gesunden gegenüber dem Kranken ausdrücken, sind Sacks Beschreibungen voller Respekt vor diesen Menschen. Seine umfangreiche Bildung in Philosophie, Kunst und Wissenschaft erlauben es ihm, das Menschliche an diesen Eigenarten zu erkennen. Selten ist mir die Bedeutung des Begriffs „Herzensbildung“ so einleuchtend geworden wie bei Sacks. Seine „Fälle“ sind überraschend, erstaunlich und nicht selten amüsant. Die Art und Weise, wie er sie uns nahe bringt, ist zutiefst menschlich, einfühlsam und voller Engagement, diesen Menschen, die meist nicht verstehen, wie ihnen geschieht, ihr Los zu erleichtern. So ist dieses Buch zugleich unterhaltend und ergreifend. „Es macht uns bewusst, dass wir auf des Messers Schneide leben.“, schreibt Doris Lessing über das Werk von Oliver Sacks. Dem ist nichts hinzuzufügen. Einhard Schrader |