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Manfred Krug, Abgehauen.
Econ & List Taschenbuch Verlag 1998, ISBN 3-612-26438-9
Das Buch ist nicht neu. Es ist schon 1996 herausgekommen. Aber die Feierlichkeiten zu 10jährigen Maueröffnung waren der Anlass zu vielen Rückblicken. Mir ist dabei aufgefallen, wie die Erinnerungen die Ecken und Kanten des Lebens in der DDR abgeschliffen hat, wie sich der Nebel über die Vergangenheit zu legen beginnt, wie "juristische Aufarbeitung" und das unsägliche "Ossi-Wessi"-Drama die Realität mit Mehlsauce übergießt. Das Buch von Manfred Krug frischt die Erinnerungen wieder auf. Der unerträgliche Druck und zugleich die lächerliche Banalität, mit der abweichende Meinung verfolgt wurde, wird wieder erlebbar. Krug war in der DDR einer der populärsten Schauspieler, und so fühlte er sich geschützt durch sein Publikum. Aber die Raffinessen eines verbohrten Regimes waren stärker. Der (illegale) Mitschnitt einer Diskussion zwischen Künstlern und Kulturbürokraten nach der Ausbürgerung von Wolf Biermann ist ein Zeitdokument, wie es wohl wenige gibt. Das dann folgende Tagebuch, das die Zeit bis zum Verlassen der DDR beschreibt, gibt Einblick in die Wut und die Hilflosigkeit eines Künstlers, der wie in seinen Filmen unorthodox, narzistisch, machistisch, ungerecht, was auch immer, auf jeden Fall menschlich ist. Trotz des beklemmenden Inhalts ein Lesevergnügen! Einhard Schrader |